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Recht

Fuhrpark erweitern — Konzession für zweites und weiteres Taxi beantragen

F. Bakir · Fachliche Leitung06. Juli 202611 Min. Lesezeit

Nach dem ersten Solo-Jahr im Taxi-Betrieb kommt bei fast jedem Unternehmer die Frage: „Zweites Fahrzeug? Angestellter Fahrer? Skalieren?" Die Antwort hängt an drei Faktoren: der wirtschaftlichen Rechnung, der Konzessions-Verfügbarkeit deiner Stadt und deiner Bereitschaft, vom Fahrer zum Arbeitgeber zu werden. Dieser Ratgeber führt dich durch die rechtlichen Voraussetzungen, die realistische Wirtschaftlichkeits-Rechnung und die operativen Fallen der Skalierung.

⚖️

Rechtsgrundlage

§ 9 PBefG

💶

Liquidität je Fzg

1.250 €

Antragsdauer

4–8 Wochen

🚫

Konzessionsstopp

Berlin/München/HH

📈

Break-Even 2. Taxi

~5.500 €/Mo

💰

Rohgewinn 2. Fzg

800–1.800 €/Mo

Die 3 Voraussetzungen für ein weiteres Taxi

    Alles andere (deine Fachkunde, dein Betriebssitz, deine Zuverlässigkeit) ist bereits durch die erste Konzession geprüft und bleibt gültig.

    Konzessionsstopp — die zentrale Weiche

    Nicht jede Stadt vergibt beliebig viele Taxi-Konzessionen. Nach § 13 Abs. 4 PBefG können Genehmigungsbehörden im Rahmen einer Bedarfsprüfung die Anzahl der Konzessionen begrenzen — der sogenannte Konzessionsstopp. Betroffen sind vor allem Metropolen mit gesättigtem Taxi-Markt.

    Konzessions-Situation in deutschen Großstädten 2026

    Berlin
    ca. 5.600 Konzessionen, mehrjährige Warteliste
    Konzessionsstopp aktiv
    München
    ca. 3.800 Konzessionen, Warteliste
    Konzessionsstopp aktiv
    Hamburg
    ca. 3.400 Konzessionen, oft eingeschränkte Vergabe
    Bedarfsprüfung
    Düsseldorf
    noch freie Konzessionen (Details in [Düsseldorf-Ratgeber](/stadt/duesseldorf))
    Frei
    Stuttgart
    keine aktuelle Bedarfsprüfung
    Frei
    Mittelstädte
    Hannover, Dresden, Mainz, Wiesbaden etc.
    meist frei
    Gesamtje nach Standort

    Wer in einer Stopp-Stadt zusätzliche Konzessionen anstrebt, hat drei Optionen:

    Alternativen bei Konzessionsstopp

    1. Warteliste

      Antrag stellen, warten. Wartezeiten in Berlin/München typisch 1–5 Jahre. Ranking nach Antragsdatum.
    2. Übernahme eines bestehenden Betriebs

      Kauf eines Unternehmens mit bestehender Konzession (Asset Deal oder Share Deal). Kaufpreis 30.000–80.000 €/Konzession typisch. Details im Konzession-kaufen-Ratgeber.
    3. Mietwagenkonzession (§ 49 PBefG)

      Meist ohne Stopp erhältlich. Andere Nutzung: Rückkehrpflicht, keine Halteplatz-Recht. Details im Uber/Mietwagen-Ratgeber.

    Der Antrags-Prozess Schritt für Schritt

    Wenn deine Stadt keine Konzessions-Restriktion hat (oder du die Warteliste durchgewartet hast), ist der Antrag deutlich einfacher als beim Ersteinstieg:

    Konzession für weiteres Taxi beantragen

    1. Vorab-Anfrage bei der Behörde

      Formlose Anfrage bei der Genehmigungsbehörde: aktuelle Verfügbarkeit, Warteliste, Fristen. Kostet nichts, erspart Fehl-Anträge.
    2. Antragsformular ausfüllen

      Behörden stellen ein Standardformular. Angabe: bestehende Konzessionen, geplantes Fahrzeug (Marke/Modell), Fahrer-Situation (Solo oder angestellter Fahrer).
    3. Liquiditätsnachweis vorlegen

      Aktueller Kontoauszug oder Bankauskunft über 1.250 € pro weiteres Fahrzeug. Bei 2. Konzession: 1.250 € zusätzlich zu den 2.250 € der ersten. Bei 5. Konzession: 4 × 1.250 € = 5.000 € zusätzlich.
    4. Steuerliche Unbedenklichkeit einreichen

      Aktuelle Bescheinigung vom Finanzamt (nicht älter als 3 Monate). Wenn du bereits eine für die erste Konzession hast: neue anfordern, Behörde will Aktualität.
    5. Bearbeitung abwarten

      4–8 Wochen typisch, in einigen Städten bis 12 Wochen. Nach positivem Bescheid: Konzessions-Urkunde abholen.
    6. Fahrzeug zulassen + versichern

      Zulassung als Taxi (nicht privat). KFZ-Versicherung mit Personenbeförderungs-Klausel. Erst nach Zulassung darf das Fahrzeug im Betrieb eingesetzt werden.

    Die Wirtschaftlichkeits-Rechnung — wann rechnet es sich?

    Das zweite Fahrzeug rechnet sich nur, wenn es sauber ausgelastet ist. Rechenbeispiel Berlin, zweites Vollzeit-Taxi mit angestelltem Fahrer:

    Kalkulation zweites Taxi (Vollzeit, angestellter Fahrer)

    Bruttoumsatz zweites Fahrzeug
    Vollzeit-Fahrer, 200 Fahrten/Mo × 30 €
    6.000 €
    Fahrer-Gehalt inkl. Sozialabgaben (21 %)
    Mindestlohn 12,82 €/h × 160 h + AG-Anteile
    −2.700 €
    BG Verkehr (Berufsgenossenschaft)
    Gefahrklasse ~6,5 % vom Bruttolohn
    −175 €
    Fahrzeug-Vollkosten (AfA, Sprit, Wartung, Versicherung)
    Details im [Verdienst-Ratgeber](/ratgeber/taxi-verdienst-2026)
    −2.100 €
    Konzessionsgebühr + Verwaltung
    anteilig für zweites Fahrzeug
    −125 €
    Zwischensumme Aufwand
    direkt zurechenbar zum zweiten Fahrzeug
    −5.100 €
    Rohgewinn 2. Fahrzeug
    realistischer Mittelwert
    900 €
    GesamtRohgewinn/Monat

    Ergebnis: Das zweite Fahrzeug bringt typisch 800–1.800 € zusätzlichen Rohgewinn/Monat — bei sauberer Auslastung und zuverlässigem Fahrer. Bei niedrigerer Auslastung oder Fahrer-Fluktuation kann sich der Gewinn auf 0–500 € reduzieren oder in Verlust drehen.

    Break-Even je nach Fahrer-Modell

    Der Break-Even hängt kritisch vom Fahrer-Modell ab:

    Break-Even-Monatsumsatz je Fahrer-Modell

    Solo-Doppelschicht (du fährst 60 h + zweites Fzg vermietet)
    niedrigere Personalkosten, aber physisch anspruchsvoll
    ~3.500 €
    Angestellter Fahrer Vollzeit (Mindestlohn)
    Standard-Modell, planbar
    ~5.500 €
    Angestellter Fahrer mit Umsatzprovision
    Anreiz-orientiert, aber Mindestlohn-Compliance beachten
    ~5.000 €
    2 Fahrer im 12-Std-Schichtbetrieb
    24/7-Auslastung möglich, doppelte Personalkosten
    ~7.500 €
    Gesamtje Modell

    Für Solo-Unternehmer, die skalieren wollen, ist das angestellter-Fahrer-Vollzeit-Modell meist der cleanste Weg — planbare Kosten, keine Compliance-Grauzonen, klar strukturierte Wochen.

    Personal-Rekrutierung — das größte Problem

    Fahrer-Rekrutierung ist im Taxi-Gewerbe traditionell schwierig. Die häufigsten Kanäle:

      Realistisch: Die Zeit von „Ich will einen Fahrer einstellen" bis „Erster Arbeitstag" beträgt oft 4–12 Wochen. Wer skaliert, muss diese Vorlaufzeit einplanen — nicht erst das Fahrzeug kaufen und dann den Fahrer suchen.

      Rechtsform-Frage — muss ich GmbH werden?

      Rechtlich nicht. Bei 2–5 Fahrzeugen bleiben viele Unternehmer beim Einzelunternehmen. Ab bestimmter Größe lohnt aber die Prüfung einer Rechtsformänderung:

      Wann Rechtsformwechsel prüfen?

      1–2 Fahrzeuge
      einfach, Notwendigkeit für UG/GmbH selten
      Einzelunternehmen
      3–5 Fahrzeuge / 3+ Mitarbeiter
      Haftungsbegrenzung, teilweise steuerlich günstiger
      UG/GmbH prüfen
      Ab 6+ Fahrzeuge
      Steuerberater-Beratung dringend empfohlen
      GmbH meist sinnvoll
      Bei Familien-Nachfolge geplant
      einfacherer Anteils-Übergang
      GmbH sinnvoll
      GesamtFaustregeln

      Der Wechsel kostet einmalig 1.500–3.500 € (Notar + Handelsregister) plus laufende Aufwände (Jahresabschluss, Bilanzierung statt EÜR). Steuerlich muss individuell gerechnet werden — pauschal ist die GmbH nicht immer günstiger.

      Fiskaltaxameter für jedes Fahrzeug

      Jedes zusätzliche Taxi braucht sein eigenes Fiskaltaxameter mit BSI-zertifizierter TSE nach § 146a AO. Details im TSE-Ratgeber. Kosten: 1.200–2.500 € pro Fahrzeug (Neuanschaffung) oder 400–800 € (Umrüstung Bestandsgerät). Bei Fuhrpark-Erweiterung: Cloud-TSE wird ab 3–5 Fahrzeugen wirtschaftlicher als Hardware-TSE.

      BG Verkehr — sobald du erste Mitarbeiter hast

      Sobald du ersten Fahrer einstellst, bist du bei der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) meldepflichtig. Erstmeldung innerhalb einer Woche nach Beginn der Mitarbeit. Beitrag: ~6,5 % vom Brutto-Lohn (Gefahrklasse Taxi/Mietwagen). Bei einem Vollzeit-Fahrer mit 2.100 € Bruttolohn also ca. 137 €/Monat.

      Fazit — Skalierung ist kein Automatismus

      Vom Solo-Betrieb zum Fuhrpark ist ein qualitativer Sprung, nicht nur ein quantitativer:

      1. Konzession beantragen — meist einfach (außer Konzessionsstopp-Städte), Liquidität 1.250 € je Fahrzeug
      2. Personal führen — größte Herausforderung, hohe Fluktuation branchentypisch
      3. Dispositions-Struktur — ab 3+ Fahrzeugen ernsthaftes Thema
      4. Wirtschaftlichkeit — Break-Even bei ~5.500 € Umsatz/Fahrzeug, realistischer Rohgewinn 800–1.800 €/Fahrzeug
      5. Compliance-Aufwand — Fiskaltaxameter, BG Verkehr, P-Schein-Überwachung skalieren mit

      Wer skalieren will, sollte parallel zur Konzessions-Beantragung schon den Personalbedarf und die Dispositions-Struktur planen. Fragen zu deinem konkreten Weg — sprich uns an. Wir haben mit vielen Fuhrpark-Aufbauern zusammengearbeitet und kennen die typischen Fallen.

      Wenn du noch am Solo-Anfang stehst und die IHK-Fachkundeprüfung machen willst, findest du den kompletten Einstieg im Taxiunternehmer-Ultimativ-Guide 2026 und im Online-Kurs.

      Häufige Fragen

      8 Antworten auf die meistgestellten Fragen rund um dieses Thema.

      Brauche ich für jedes zusätzliche Taxi eine eigene Konzession?

      Ja. Nach § 9 PBefG wird jede Konzession fahrzeugbezogen erteilt. Für ein zweites Taxi beantragst du eine zusätzliche Genehmigung bei derselben Behörde, die deine erste Konzession ausgestellt hat. Der Antrag ist einfacher als beim Ersteinstieg, weil deine Fachkunde, Zuverlässigkeit und Betriebssitz bereits geprüft sind — es genügt der zusätzliche Liquiditätsnachweis (1.250 € je weiteres Fahrzeug nach § 2 PBZugV) und ein Antragsformular.

      Wie hoch ist der Liquiditätsnachweis für weitere Fahrzeuge?

      Nach § 2 PBZugV muss für das erste Fahrzeug 2.250 € nachgewiesen werden, für jedes weitere Fahrzeug 1.250 €. Bei einem Fuhrpark mit 5 Fahrzeugen also 2.250 € + 4 × 1.250 € = 7.250 € Gesamt-Liquidität. Der Nachweis erfolgt durch Kontoauszug oder Bankauskunft. Der Betrag muss über die Konzessionsdauer verfügbar bleiben — bei Betriebsprüfungen wird das teilweise geprüft.

      Was mache ich, wenn meine Stadt einen Taxi-Konzessionsstopp hat?

      Berlin, München, Hamburg und einige andere Städte haben Taxi-Konzessionsstopps (Bedarfsprüfung nach § 13 Abs. 4 PBefG). Für Neu-Konzessionen entstehen dann teils mehrjährige Wartelisten. Alternativen: (a) Übernahme eines bestehenden Betriebs mit Konzession — siehe [Konzession kaufen-übernehmen](/ratgeber/taxikonzession-kaufen-uebernehmen), Kaufpreise typisch 30.000–80.000 €; (b) Mietwagenkonzession nach § 49 PBefG — hat fast überall keinen Stopp, dafür Rückkehrpflicht; siehe [Uber-Mietwagen-Konzession](/ratgeber/uber-mietwagen-konzession-2026).

      Ab wann rechnet sich das zweite Taxi wirtschaftlich?

      Wirtschaftlich sinnvoll wird das zweite Fahrzeug typisch, wenn du im Solo-Betrieb dauerhaft 90 %+ Auslastung erreichst UND du einen zuverlässigen angestellten Fahrer für 40+ Stunden/Woche findest. Bei diesem Modell erwirtschaftet das zweite Fahrzeug typisch 4.500–7.000 € Bruttoumsatz/Monat (nach Betriebskosten und Fahrergehalt bleiben 800–1.800 € Rohgewinn beim Unternehmer). Bei niedrigerer Auslastung oder Fahrer-Fluktuation kann sich der zweite Wagen schnell zum Zuschussgeschäft entwickeln.

      Muss der angestellte Fahrer den P-Schein selbst haben?

      Ja — jeder Fahrer im Taxi- oder Mietwagen-Betrieb braucht seinen persönlichen P-Schein nach § 48 FeV. Details im [Arbeitgeber-P-Schein-Ratgeber](/ratgeber/p-schein-fuer-fahrer-arbeitgeber). Als Arbeitgeber übernimmst du meist die Kosten (200–400 €) mit Rückzahlungsklausel bei kurzfristiger Kündigung. Wichtig: Ohne P-Schein darf der Fahrer keine Fahrgäste befördern, auch nicht testweise.

      Wie viel Umsatz muss das zweite Taxi machen, damit sich Fahrer + Fahrzeug lohnen?

      Break-Even-Kalkulation: Bei einem angestellten Fahrer mit Mindestlohn (12,82 €/h × 160 h + ~21 % Sozialabgaben + BG Verkehr ~6,5 %) kostet dich der Fahrer ca. 2.700 €/Monat. Fahrzeug-Vollkosten (AfA, Sprit, Versicherung, Wartung, Konzessions-Beitrag) typisch 1.800–2.500 €/Monat. Zusammen 4.500–5.200 €/Monat. Damit das zweite Taxi wirtschaftlich läuft, muss es ~5.500 €/Monat Bruttoumsatz erzielen — realistisch bei angestellter Vollzeit-Kraft in Großstadt.

      Ändert sich meine Rechtsform, wenn ich mehrere Fahrzeuge habe?

      Nicht zwingend. Auch mit 5+ Fahrzeugen kannst du Einzelunternehmer bleiben. Ab bestimmter Umsatz-/Mitarbeiter-Größe (typisch ab 3–5 angestellten Fahrern) lohnt sich die Prüfung einer UG/GmbH — Haftungsbegrenzung, Fremdgeschäftsführer möglich, teilweise steuerlich günstiger. Die Rechtsformwechsel kostet einmalig 1.500–3.500 € (Notar, Handelsregister). Bei diesem Schritt: Steuerberater dringend einbinden.

      Was ist mit Dispositions-Aufwand bei mehreren Fahrzeugen?

      Bei 1–2 Fahrzeugen läuft die Disposition meist parallel zum Fahren — WhatsApp, Anrufe, Funk. Ab 3–5 Fahrzeugen wird eine strukturierte Dispositions-Software oder eine dedizierte Person nötig (Vollzeit-Dispo kostet 3.000–4.500 €/Monat inkl. Sozialabgaben). Alternativ: Anschluss an eine lokale Taxi-Zentrale (150–350 €/Monat) übernimmt die Vermittlung. Ab 5+ Fahrzeugen ist die eigene Dispo meist wirtschaftlicher.

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