Die IHK-Fachkundeprüfung prüft fünf Sachgebiete — dieser Ratgeber zoomt in jeden Bereich hinein: Themen, typische Prüfungsfragen und konkrete Lerntipps.
Die gesetzliche Grundlage (§ 13 PBefG + § 4 PBZugV) und die Bestehensregel (60 % gesamt + 50 % je Sachgebiet) sind im Pillar-Guide zur IHK-Fachkundeprüfung erklärt. Warum ein einziges schwaches Sachgebiet die Prüfung kippt, zeigt die Durchfallquote-Analyse.
Recht
~30%
Kaufmännisch
~25%
Steuer/Finanz
~20%
Technik
~15%
Verkehr/Umwelt
~10%
Überblick: Die 5 Prüfungsbereiche
| # | Bereich | Gewichtung | |---|---------|-----------| | 1 | Recht | ca. 30 % | | 2 | Kaufmännische und finanzielle Führung | ca. 25 % | | 3 | Steuer- und Sozialabgabenrecht | ca. 20 % | | 4 | Technische Normen und Betriebsführung | ca. 15 % | | 5 | Straßenverkehrssicherheit und Umweltschutz | ca. 10 % |
Bereich 1 und 2 zusammen machen über die Hälfte der Prüfung aus. Hier ist der Hebel am größten — sowohl zum Bestehen als auch zum Durchfallen. Die exakte Bestehensregel und den Prüfungsablauf findest du im Pillar-Guide.
Bereich 1: Recht — ca. 30 %
Recht ist das schwerste und umfangreichste Prüfungsgebiet. Es deckt nahezu alle rechtlichen Aspekte des Taxi- und Mietwagenbetriebs ab.
Personenbeförderungsgesetz (PBefG)
Das PBefG ist die zentrale Rechtsgrundlage für den gesamten Taxibetrieb. Du musst nicht jeden Paragraphen auswendig kennen, aber die wichtigsten §§ und ihre Bedeutung:
- §1 PBefG — Anwendungsbereich: Was fällt unter das PBefG?
- §2 PBefG — Genehmigungspflicht für Personenbeförderung
- §13 PBefG — Zuverlässigkeit, finanzielle Leistungsfähigkeit, fachliche Eignung
- §47 PBefG — Taxiverkehr: Beförderungspflicht, Taxistand, Tarifbindung
- §49 PBefG — Mietwagenverkehr: Unterschiede zum Taxi, Rückkehrpflicht
Straßenverkehrsrecht
- StVO (Straßenverkehrsordnung): Verkehrsregeln, Haltverbote, Haltezeiten an Taxiständen
- StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung): Fahrzeugtechnische Anforderungen, Hauptuntersuchung, Sonderausstattung
Fahrpersonalrecht
- Lenk- und Ruhezeiten nach EU-Verordnung 561/2006
- Fahrpersonalgesetz (FPersG)
- Kontrollgeräte-Pflicht (Tachograph) — wann gilt sie für Taxis?
- Fahrerlaubnisrecht und P-Schein für Fahrer — Pflichten des Arbeitgebers
Bürgerliches Recht
- Vertragsrecht: Beförderungsvertrag, Mängelrechte, Kündigung
- Haftung: Wann haftet der Unternehmer, wann der Fahrer?
- Schadensersatz bei Unfällen
- Arbeitsrecht: Grundlagen für angestellte Fahrer
Wettbewerbsrecht
- Kartellrecht: Preisabsprachen zwischen Taxiunternehmen sind verboten
- Unlauterer Wettbewerb: Was ist unerlaubte Werbung?
Lerntipp für Bereich 1
Recht ist oft abstract — versuche, jede Regelung mit einem konkreten Fallbeispiel zu verknüpfen. "Was passiert, wenn...?" ist die richtige Frage. Typische Prüfungsfragen sind Fallszenarien: "Ein Fahrgast verlässt das Taxi, ohne zu zahlen — was sind deine Rechte?"
Bereich 2: Kaufmännische und finanzielle Führung — ca. 25 %
Dieser Bereich ist für viele Prüflinge die größte Hürde — weil sie wenig kaufmännische Vorerfahrung haben und die Rechenaufgaben unterschätzen.
Grundlagen der Buchführung
- Unterschied zwischen einfacher und doppelter Buchführung
- Buchführungspflicht: Ab welchem Umsatz gilt sie?
- Belege, Kontenrahmen, Buchungssätze
- Jahresabschluss: Bilanz und GuV (Gewinn- und Verlustrechnung)
Kostenrechnung und Kalkulation
Dieser Bereich ist prüfungsrelevant und enthält Rechenaufgaben:
- Vollkostenrechnung: Fixkosten + variable Kosten = Gesamtkosten
- Deckungsbeitragsrechnung: Erlös − variable Kosten = Deckungsbeitrag
- Break-Even-Analyse: Ab wie vielen Fahrten/Stunden lohnt sich der Betrieb?
- Preiskalkulation: Wie berechnet sich der Taxitarif kostendeckend?
Beispiel einer typischen Prüfungsaufgabe:
Ein Taxi fährt täglich 8 Stunden, 25 Tage im Monat. Fixkosten: 1.800 €/Monat. Variable Kosten: 0,45 €/km. Durchschnittlich 15 km/Stunde Auslastung. Berechne den Break-Even-Erlös pro km.
Finanzierung
- Eigenkapital vs. Fremdkapital
- Kreditarten: Investitionskredit, Kontokorrent, Leasing
- Leasing vs. Kauf: Unterschied, Vor- und Nachteile
- Finanzierungskosten berechnen
Liquiditätsplanung
- Was bedeutet Liquidität und warum ist sie wichtiger als Gewinn?
- Liquiditätsengpässe erkennen und vermeiden
- Forderungsmanagement: Säumige Kunden und was du tun kannst
Lerntipp für Bereich 2
Rechenaufgaben üben, üben, üben. Lerne die Grundformeln auswendig und übe sie an verschiedenen Beispielen. Nutze unseren Prüfungssimulator, um typische Rechenaufgaben zu üben.
Bereich 3: Steuer- und Sozialabgabenrecht — ca. 20 %
Steuerrecht klingt trocken — ist aber entscheidend für deinen Betrieb und stark prüfungsrelevant.
Umsatzsteuer (USt)
- Grundprinzip: Unternehmer erheben USt und führen sie ab
- § 4 Nr. 21 UStG: Bildungsleistungen können von der Umsatzsteuer befreit sein, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie ordnungsgemäß auf einen Beruf oder eine Prüfung vor einer juristischen Person des öffentlichen Rechts vorbereiten (AZAV-Zertifizierung nach §§ 176–184 SGB III ist Voraussetzung für Bildungsgutschein-Fähigkeit, ersetzt aber nicht die separate Landesbescheinigung nach § 4 Nr. 21 UStG)
- § 12 Abs. 2 Nr. 10 Buchst. b UStG: Ermäßigter Steuersatz von 7 % für Taxifahrten, wenn die Beförderungsstrecke nicht mehr als 50 km beträgt oder die Beförderung innerhalb einer Gemeinde erfolgt — sonst 19 % (klassische Prüfungsfalle: Flughafenfahrt über Gemeindegrenze mit < 50 km = 7 %). Details im Ratgeber Mehrwertsteuer Taxi: 7 % vs. 19 %
- Steuerschuldnerschaft, Voranmeldungen, Jahreserklärung
- Vorsteuerabzug: Wann kann der Unternehmer gezahlte USt zurückfordern?
Lohnsteuer für Arbeitgeber
- Lohnsteuer-Anmeldepflicht
- Sozialversicherungsbeiträge: Anmeldung, Abführung
- Was ist eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) und welche Besonderheiten gelten?
Einkommensteuer und Gewerbesteuer
- Wer zahlt Einkommensteuer, wer zahlt Körperschaftsteuer?
- Gewerbesteuer: Ab welchem Gewinn fällt sie an? Was ist der Gewerbesteuer-Hebesatz?
- Steuererklärungspflichten des Taxiunternehmers — Praxis-Überblick im Taxi-Steuern-Leitfaden 2026
Buchführungspflichten nach Steuerrecht
- Aufbewahrungsfristen für Belege (10 Jahre!)
- Elektronische Kassensysteme und TSE-Pflicht — Details im Ratgeber Kassensystem Taxi & Fiskaltaxameter
- Taxameter und Aufzeichnungspflichten
Lerntipp für Bereich 3
Steuer ist Wiederholung: Lerne die Grundbegriffe, die Steuersätze (7%, 19%) und typische Ausnahmen. Prüfungsfragen sind oft Anwendungsfälle: "Muss diese Fahrt mit 7% oder 19% USt abgerechnet werden?"
Bereich 4: Technische Normen und Betriebsführung — ca. 15 %
Dieser Bereich ist oft einfacher als die kaufmännischen Teile — aber unterschätze ihn nicht.
Fahrzeuganforderungen für Taxis
- BOKraft (Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr): Die zentrale Verordnung für Taxi- und Mietwagenbetriebe (gilt für alle Personenbeförderungsunternehmen mit Kraftfahrzeugen, einschließlich Linienverkehr)
- Fahrzeugfarbe: In manchen Städten beige Pflichtfarbe
- Taxameter: Eichpflicht, Typen, Kalibrierung, Zulassung (§ 28 BOKraft)
- Dachzeichen: Pflicht für Taxis nach § 26 BOKraft; zeigt „Frei"/„Besetzt" an und ist mit dem Taxameter gekoppelt (bei modernen Systemen zusätzlich mit elektronischen Fahrpreisanzeigern und Bezahlterminals verbunden)
- Mindestanzahl Sitzplätze (inkl. Fahrer mindestens 5)
- Fahrzeugalter: Einige Behörden begrenzen das Fahrzeugalter
Hauptuntersuchung und Sicherheit
- HU-Intervall Taxi/Mietwagen (bis 8 Fahrgastplätze): reguläre 24 Monate nach § 29 StVZO Anlage VIII — wie beim PKW; nur Busse mit mehr als 8 Fahrgastplätzen haben 12 Monate HU
- BOKraft-Betriebsuntersuchung nach § 42 BOKraft: zusätzlich zur HU, in der Regel jährlich, geprüft werden Taxameter, Dachzeichen, Kennzeichnung und Betriebszustand — klassische IHK-Verwechslungsfalle (HU ≠ BOKraft-Untersuchung)
- Sicherheitsausrüstung: Verbandkasten, Warndreieck, Feuerlöscher
- Unfallverhütungsvorschriften (UVV)
Betriebliche Organisation
- Schichtplanung: Maximale Lenkzeiten, Pausenregelungen
- Fuhrparkmanagement: Wartungsintervalle, Reparaturplanung
- Qualitätssicherung im Betrieb
Lerntipp für Bereich 4
Lerne die wichtigsten Anforderungen der BOKraft und die Besonderheiten des Taxameters. Fragen kommen oft zu Fahrzeugvorschriften und der Eichpflicht.
Bereich 5: Straßenverkehrssicherheit und Umweltschutz — ca. 10 %
Das kleinste Gewicht — aber trotzdem prüfungsrelevant und im echten Betrieb wichtig.
Straßenverkehrssicherheit
- Unfallstatistiken im Personenverkehr: Häufige Unfallursachen
- Präventionsmaßnahmen: Wie reduziert ein Taxiunternehmer das Unfallrisiko? — Rolle der BG Verkehr für Taxi-Unternehmer (Pflichten, Beiträge, Prävention)
- Alkohol und Drogen am Steuer: § 24a StVG (0,5‰ als allgemeine OWi-Grenze, 0,3‰ als relative Fahruntüchtigkeit bei Ausfallerscheinungen), § 24c StVG (0,0‰ für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrer unter 21 Jahren); § 8 BOKraft verlangt einen nüchternen Zustand des Fahrpersonals, viele Taxiunternehmer setzen deshalb per Betriebsanweisung 0,0‰ als betriebliche Vorgabe
- Übermüdung: Erkennen, vermeiden, Verantwortung des Unternehmers
Ergonomie und Gesundheitsschutz
- Berufskrankheiten bei Taxifahrern (Rückenbeschwerden, Nachtarbeit)
- Ergonomische Fahrzeugausstattung
- Gesundheitsuntersuchung für gewerbliche Fahrer
Umweltschutz und Emissionen
- Emissionsklassen (Euro 1–6): Was bedeuten sie?
- Umweltzonen: Vorschriften und Zufahrtsbeschränkungen
- Elektromobilität im Taxibetrieb: Förderungen, Besonderheiten, Ladeinfrastruktur — vertiefend im Ratgeber Elektro-Taxi Förderung 2026
- Kraftstoffverbrauch reduzieren: Wirtschaftliche und ökologische Vorteile
Lerntipp für Bereich 5
Dieser Bereich ist überschaubar und oft logisch ableitbar. Lerne die wichtigsten Gesetzesgrenzen — Promille: 0,5‰ nach § 24a StVG (relative Fahruntüchtigkeit ab 0,3‰), 0,0‰ nach § 24c StVG nur in der Probezeit und für Fahrer unter 21 Jahren; für Fahrgastbeförderung setzen Unternehmer zusätzlich häufig 0,0‰ als betriebliche Vorgabe — und die wesentlichen Umweltschutzregelungen.
Dein Lernplan für alle 5 Bereiche
Wenn du 4 Wochen Zeit hast:
| Woche | Fokus | |-------|-------| | Woche 1 | Recht (PBefG, StVO, Fahrpersonalrecht) | | Woche 2 | Kaufmännische Führung (Buchführung, Kalkulation) | | Woche 3 | Steuer, Technische Normen | | Woche 4 | Wiederholung, Prüfungssimulationen, Verkehrssicherheit |
In unserem Intensivkurs verdichten wir diesen Plan auf wenige intensive Tage — mit erfahrenen Dozenten, die wissen, was in der Prüfung kommt.
Teste dein Wissen
Bevor du in den Kurs startest, kannst du mit unserem kostenlosen Prüfungssimulator prüfen, wo du heute stehst — und welche Bereiche du besonders stärken musst.
Fazit
Die fünf Prüfungsbereiche der IHK Fachkundeprüfung sind klar strukturiert und systematisch erlernbar. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine ausgewogene Vorbereitung über alle Bereiche — mit besonderem Fokus auf Recht und Kaufmännisches, da diese zusammen über die Hälfte der Prüfung ausmachen. Mit der richtigen Unterstützung und strukturiertem Lernen ist die Prüfung gut zu schaffen.
Bereit für die IHK-Prüfung? Unser Online-Kurs bereitet dich gezielt auf alle 5 Sachgebiete vor — 999 € inkl. Materialien, Bildungsgutschein-fähig.
Häufige Fragen
8 Antworten auf die meistgestellten Fragen rund um dieses Thema.
Welche fünf Bereiche prüft die IHK-Fachkundeprüfung?
Die fünf Bereiche sind: Recht, kaufmännische und finanzielle Betriebsführung, Steuer- und Sozialabgabenrecht, technische Normen und Betriebsführung sowie Straßenverkehrssicherheit und Umweltschutz. Rechtsgrundlage ist § 4 PBZugV in Verbindung mit Anlage 3 PBZugV, die die 5 Sachgebiete abschließend auflistet.
Welcher Bereich ist am wichtigsten?
Der Bereich Recht hat mit rund 30 Prozent das größte Gewicht — mit Schwerpunkt auf PBefG (§§ 1, 13, 47, 49) und BOKraft. Danach folgt die kaufmännische Führung mit etwa 25 Prozent. Wer diese beiden Bereiche sicher beherrscht, hat bereits über die Hälfte der Prüfung abgedeckt.
Was ist die Bestehensregel pro Sachgebiet?
Nach § 4 PBZugV müssen mindestens 60 Prozent der Gesamtpunkte erreicht werden UND je Sachgebiet mindestens 50 Prozent. Bleibt genau ein Sachgebiet unter 50 Prozent, kann eine mündliche Ergänzungsprüfung angeordnet werden — bei mehreren schwachen Bereichen oder Gesamtquote unter 60 Prozent gilt die Prüfung als nicht bestanden.
Wie viele Rechenaufgaben kommen im kaufmännischen Bereich?
In der Regel enthält Bereich 2 (Kaufmännische Führung) 2 bis 4 Rechenaufgaben zu Kalkulation, Break-Even, Deckungsbeitrag und Liquidität. Sie machen etwa ein Drittel der Punkte in diesem Sachgebiet aus — Rechenlogik trainieren ist Pflicht.
PBefG oder BOKraft — wo ist der Schwerpunkt im Bereich Recht?
Beide Verordnungen sind prüfungsrelevant. Der PBefG-Schwerpunkt liegt auf Genehmigungspflicht (§§ 2, 13), Beförderungspflicht und Tarifbindung (§ 47) sowie Mietwagen-Rückkehrpflicht (§ 49). Die BOKraft prüft Fahrzeuganforderungen (Taxameter, Dachzeichen, Kennzeichnung) und die Betriebspflichten des Unternehmers.
Wie viel Zeit habe ich pro Bereich in der schriftlichen Klausur?
Die schriftliche Prüfung dauert 120 Minuten am Stück, ohne Pause. Nach Gewichtung ergibt sich als Richtwert: rund 35 Minuten Recht, 30 Minuten Kaufmännisch, 25 Minuten Steuer- und Sozialabgabenrecht, 20 Minuten Technik und 10 Minuten Verkehrssicherheit — plus 10 Minuten Puffer für die Kontrolle.
Was passiert, wenn ein Sachgebiet schwach ist?
Bei genau einem Sachgebiet unter 50 Prozent kann die IHK eine mündliche Ergänzungsprüfung ansetzen. Sind mehrere Sachgebiete unter 50 Prozent oder liegt die Gesamtquote unter 60 Prozent, gilt die Prüfung als nicht bestanden — eine Wiederholung ist möglich.
Wie bereite ich mich auf alle Bereiche vor?
Am wirksamsten ist die Kombination aus strukturiertem Lernen im Vorbereitungskurs und regelmäßigem Üben — etwa mit dem kostenlosen Prüfungssimulator und den Prüfungsbüchern zur Selbstkontrolle. Ein 4-Wochen-Lernplan mit Fokus Recht + Kaufmännisch führt zuverlässig zum Bestehen.
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