Zum Inhalt springen
taxi-schulungen.de
AnrufenWhatsAppKurse
Mietwagen & Plattformen

Uber, Bolt & FreeNow Fahrer werden — Vorbereitung 2026

F. Bakir · Fachliche LeitungAktualisiert 13. Oktober 202611 Min. Lesezeit

Uber, Bolt und FreeNow haben den deutschen Mobilitätsmarkt verändert. Wer 2026 als Fahrer für eine dieser Plattformen starten möchte, braucht deutlich mehr als eine App und ein Auto: eine Mietwagen-Konzession nach § 49 PBefG, einen Personenbeförderungsschein (P-Schein), die IHK-Fachkundeprüfung und die Plattform-Aktivierung. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess.

📜

Konzessions-Typ

§ 49 PBefG

🎂

Mindestalter

21 Jahre

⏱

Setup-Zeit gesamt

8-20 Wochen

💸

Bolt-Provision

25-29%

🔍

Plattform-Prüfung

7-14 Tage

🏦

Eigenkapital-Pflicht

2.250 €

Uber, Bolt, FreeNow — was sie gemeinsam haben

Alle drei Plattformen vermitteln in Deutschland Mietwagen mit Fahrer (nicht Taxis im klassischen Sinne). Das bedeutet:

  • Du brauchst eine Mietwagen-Konzession nach § 49 PBefG (nicht § 47 Taxi)
  • Es gilt die Rückkehrpflicht — nach jeder Fahrt zurück zum Betriebssitz, kein Warten an Standorten
  • Preisbildung frei (kein Taxitarif), aber Plattform legt die Tarife fest
  • Buchung nur vorab über App, kein Hereinwinken auf der Straße

Kernunterschied zum Taxi: Mietwagen sind keine ÖPNV-Ergänzung — du hast keine Beförderungspflicht, aber auch keinen geschützten Tarif. Details: Mietwagen vs. Taxi — die Unterschiede.

Voraussetzungen: Was du als Fahrer brauchst

Auch wenn du nicht selbst Inhaber wirst, sondern für einen Mietwagen-Betrieb fährst:

    Wer als Unternehmer eigene Konzession beantragen möchte, braucht zusätzlich:

      Die IHK-Fachkundeprüfung ist Pflicht für Selbstständige

      Wenn du selbst Konzessionsinhaber werden willst (also nicht nur als Angestellter fährst), führt kein Weg an der IHK-Prüfung vorbei. Wer keinen Bock auf die Prüfung hat, kann theoretisch einen externen Betriebsleiter ablösen — aber das kostet auf Dauer mehr als die einmalige Prüfungsvorbereitung.

      Die Prüfung deckt die vier Sachgebiete der Anlage 3 PBZugV ab (Recht inkl. Steuern, kaufmännische Führung, technischer Betrieb, Straßenverkehrssicherheit/Umweltschutz). Im Detail: Die Prüfungsbereiche der IHK-Fachkundeprüfung.

      Wer sich im eigenen Tempo vorbereiten will, ist mit unserem Online-Kurs (999 €) gut beraten — mit bewilligtem Bildungsgutschein übernimmt die Agentur bzw. das Jobcenter die Kursgebühr.

      Schritt-für-Schritt: Vom IHK-Zeugnis zur Plattform-Aktivierung

      1. IHK-Fachkundeprüfung bestehen (4-8 Wochen)

        Anmeldung bei der IHK deines Bundeslandes, schriftliche Prüfung (120 Minuten am Stück), bei Grenzfall zusätzlich mündliche Ergänzungsprüfung. Bei Nichtbestehen: zwei Wiederholungsversuche, dann Wartezeit. Mehr zum Worst-Case: IHK-Prüfung nicht bestanden — was jetzt?

      2. Konzession beantragen (4-12 Wochen)

        Beim Stadt-Ordnungsamt oder der Genehmigungsbehörde deines Bezirks. Du beantragst eine Mietwagen-Konzession nach § 49 PBefG, nicht Taxi nach § 47 — explizit auf dem Antrag erwähnen, manche Sachbearbeiter sind nicht firm im Unterschied. Genaue Schritte: Konzession beantragen — der vollständige Guide.

      3. Fahrzeug zulassen und ausstatten

        Zulassung als Mietwagen im Fahrzeugschein. Keine Taxi-Lackierung (cremeweiß ist Taxis vorbehalten). Kein Taxameter notwendig — Plattform übernimmt Abrechnung. Mietwagen-Konzessionsnummer im Fahrzeug sichtbar mitführen.

      4. Plattform-Aktivierung (7-14 Tage)

        Registrierung als Partner-Unternehmen bei einer oder mehreren Plattformen. Erforderlich: Konzessionsurkunde + Fahrzeugschein + Versicherungsnachweis (Personenbeförderung) + P-Schein + Steuernummer/USt-ID + Gewerbeanmeldung. Bei Vollständigkeit: Aktivierung, Fahrer-App, erste Fahrten.

      Die drei großen Plattformen im Vergleich

      Uber Germany (Lexikon-Eintrag)

      • Marktanteil: Größter Player in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt
      • Provisionsmodell: Uber nennt für Deutschland einen Satz „im niedrigen zweistelligen Bereich"; unabhängige Erhebungen verorten die Provision je nach Markt zwischen 25 % und höher. Höhe und Modell ändern sich — vor Vertragsschluss aktuelle Konditionen prüfen.
      • Tarifgestaltung: Dynamic Pricing (Surge), aber Plattform-kontrolliert
      • Auszahlung: Wöchentlich, automatisch
      • Spezialitäten: UberX (Standard), UberXL (große Wagen), Uber Comfort, Uber Premium
      • Anforderung an Fahrzeug: in der Regel nicht älter als 8 Jahre, mindestens 4 Türen, einwandfreier Zustand und Erfüllung der BOKraft-Vorgaben (genaue Grenzen variieren je nach Stadt)

      Bolt

      • Marktanteil: Stark in Berlin, wachsend in mittelgroßen Städten
      • Provision: in nahezu allen deutschen Städten 25 % der Mietwagen-Vermittlung (Ausnahme Nürnberg: 29 %)
      • Tarifgestaltung: Festpreise + Surge
      • Auszahlung: Wöchentlich, optional auch täglich
      • Anforderung: lokale Mietwagen-/Taxi-Vorgaben müssen erfüllt sein, kein erkennbarer Schaden; Fahrzeug-Höchstalter wird über das Zulassungsjahr berechnet und ist je nach Stadt geregelt

      FreeNow (Lexikon-Eintrag)

      • Marktanteil: Marktführer für Taxi-Vermittlung in DE, Mietwagen-Sparte wachsend
      • Besonderheit: Schwerpunkt auf Taxi-Vermittlung; in mehreren Großstädten hat FreeNow sich aus der Mietwagen-Vermittlung zurückgezogen und fordert Mindestpreise für Mietwagenfahrten
      • Provision: für die Vermittlung wird eine Service-Gebühr fällig; Höhe je nach Modus und Stadt — vor Anmeldung aktuelle Konditionen erfragen
      • Spezialität: Tiefe Integration mit traditionellen Taxi-Zentralen (z.B. Stuttgart, Hamburg)

      Empfehlung: Multi-Apping ist Standard — viele Mietwagen-Unternehmer arbeiten mit allen drei Plattformen parallel und akzeptieren die jeweils beste Fahrt. Die Plattformen tolerieren das, manche haben aber Exklusiv-Boni.

      Verdienst realistisch — was bleibt am Ende?

      Eine ehrliche Rechnung für 2026 (Vollzeit, 5 Tage/Woche, deutsche Großstadt):

      PositionBetrag/Monat
      Brutto-Umsatz (Plattformen)4.500 – 7.000 €
      − Provision an Plattform (~25 %)-1.125 € bis -1.750 €
      Netto-Umsatz3.375 € – 5.250 €
      − Treibstoff/Strom-400 € bis -700 €
      − Versicherung (Personenbeförderung)-250 € bis -400 €
      − KFZ-Steuer, Wartung, Reifen-150 € bis -250 €
      − Leasingrate (falls Wagen geleast)-350 € bis -550 €
      − Buchhaltung / Steuerberater-80 € bis -150 €
      Vor Steuern verbleibend2.145 € – 3.200 €
      − Einkommensteuer + Soli-400 € bis -800 €
      Netto Verdienst1.745 € – 2.400 €

      Realistisch eingeordnet: Mit einem Wagen, Vollzeit-Engagement und gut gewählten Plattformen liegt der Netto-Verdienst zwischen 1.700 € und 2.400 € pro Monat. Mehrwagen-Betriebe skalieren das linear, brauchen aber Festangestellte und mehr Konzessionen.

      Top 5 Stolpersteine, die du vermeiden solltest

      1. Konzessionsverweigerung wegen finanzieller Leistungsfähigkeit

      Die Behörde verlangt einen Liquiditätsnachweis. Wer nur die 2.250 € im Konto hat, aber danach pleite ist, bekommt die Konzession nicht. Plane mindestens 3-6 Monate Cashflow-Puffer ein.

      2. Fehlende Rückkehrpflicht beachten

      Mietwagen müssen nach jeder Fahrt zum Betriebssitz zurück — außer es liegt ein neuer Vorab-Auftrag vor. Wer wie ein Taxi "draußen wartet", riskiert Bußgelder bis 5.000 € und im schlimmsten Fall den Konzessionsentzug. Mehr dazu: Konzession-Dauer & Strafen

      3. Falsche Versicherung

      Standard-KFZ-Haftpflicht reicht nicht. Du brauchst Personenbeförderungs-Haftpflicht mit erweitertem Deckungsumfang. Die ist 30-50 % teurer als normale Haftpflicht, aber zwingend notwendig.

      4. Steuerliche Falle: Kleinunternehmer-Regelung

      Mit einem Wagen kommst du oft unter die 22.000 €-Grenze und wirst Kleinunternehmer. Aber: Mietwagen-Plattformen behandeln dich als regelbesteuert und schlagen 19 % MwSt auf. Beim Finanzamt kommt's später zu Rückforderungen. Steuerberater ab Tag 1 ist Pflicht.

      5. Plattform-Sperrung wegen Kunden-Rating

      Uber und Bolt haben strenge 4,6+-Rating-Anforderungen. Wer unter 4,4 fällt, fliegt raus. Bei einer Sperrung fällt die Plattform als Einnahmequelle weg — deshalb lohnt es sich, nicht nur auf eine App zu setzen.

      Kann ich auch mit Taxi-Konzession bei Uber fahren?

      Ja, in vielen Städten.

      • Uber: Vermittelt seit Juni 2024 auch Taxifahrten (Uber Taxi) — in Stuttgart zum Beispiel über die Taxi-Auto-Zentrale. Mit Taxikonzession fährst du dann zum städtischen Taxentarif.
      • FreeNow: Vermittelt Taxis ohnehin; mit Taxikonzession nimmst du Taxi-Aufträge an.
      • Bolt: Vermittelt überwiegend Mietwagen; ob es in deiner Stadt eine Taxi-Option gibt, klärst du vor dem Start mit dem Bolt-Support.

      Der Unterschied liegt in den Regeln: Mit Taxikonzession gilt der Taxentarif, dafür entfällt die Rückkehrpflicht. Mit Mietwagenkonzession bist du bei der Preisgestaltung freier, musst aber nach jedem Auftrag zum Betriebssitz zurück (§ 49 Abs. 4 PBefG). In Städten, in denen alle Taxikonzessionen vergeben sind (z. B. Stuttgart) oder derzeit keine neuen erteilt werden (Berlin seit 16.02.2026 für zunächst höchstens ein Jahr, Hamburg seit 12.06.2024), ist die Mietwagenkonzession der realistische Einstieg.

      Fazit — Wann lohnt sich der Schritt zum Mietwagen-Unternehmer?

      Der Schritt lohnt sich, wenn:

      • Du selbstständig arbeiten willst (eigene Zeit, eigene Entscheidungen)
      • Du 2.250 € Eigenkapital + 3 Monate Cashflow-Puffer hast
      • Du bereit bist, 5-6 Wochen in die IHK-Vorbereitung zu investieren
      • Du in einer Großstadt (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Düsseldorf) lebst — sonst sind die Plattform-Aufträge zu dünn

      Erster Schritt: Die IHK-Fachkunde. Beim Online-Kurs für 999 € (ob ein Bildungsgutschein infrage kommt, klären wir vorab im Rückruf) lernst du in deinem Tempo — intensiv in 1–2 Wochen. Bei Fragen schreibe uns über das Anfrageformular oder per WhatsApp.

      Häufige Fragen

      3 Antworten auf die meistgestellten Fragen rund um dieses Thema.

      Brauche ich für Uber, Bolt oder FreeNow die IHK-Fachkunde?

      Als selbstständiger Unternehmer ja: Du brauchst die fachliche Eignung über die IHK-Fachkundeprüfung sowie eine Mietwagenkonzession. Als rein angestellter Fahrer reicht der Personenbeförderungsschein (P-Schein).

      Welche Konzession brauche ich für Plattformfahrten?

      Für Fahrten über Uber, Bolt und FreeNow als Unternehmer ist in der Regel die Mietwagenkonzession erforderlich. Sie ist auch in Städten mit Taxi-Konzessionsstopp meist weiterhin erhältlich.

      Kann ich mit einer Taxikonzession bei Uber fahren?

      Ja. Taxis dürfen über Plattformen vermittelte Fahrten annehmen. Wer eine Taxikonzession besitzt, ist dabei nicht an die Rückkehrpflicht des Mietwagens gebunden — das kann ein praktischer Vorteil sein.

      Nächster Schritt

      Bereit für den nächsten Schritt?

      Unsere Experten begleiten dich persönlich — von der Kursvorbereitung bis zur Konzession.

      20 Übungsfragen im IHK-Format

      Kostenlos als PDF per E-Mail

      Teste deinen Stand, bevor du dich für einen Kurs entscheidest.

      PDF kostenlos holen