Uber, Bolt und FreeNow haben den deutschen Mobilitätsmarkt verändert. Wer 2026 als Fahrer für eine dieser Plattformen starten möchte, braucht deutlich mehr als eine App und ein Auto: eine Mietwagen-Konzession nach § 49 PBefG, einen Personenbeförderungsschein (P-Schein), die IHK-Fachkundeprüfung und die Plattform-Aktivierung. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess.
Konzessions-Typ
§ 49 PBefG
Mindestalter
21 Jahre
Setup-Zeit gesamt
8-20 Wochen
Bolt-Provision
25-29%
Plattform-Prüfung
7-14 Tage
Eigenkapital-Pflicht
2.250 €
Uber, Bolt, FreeNow — was sie gemeinsam haben
Alle drei Plattformen vermitteln in Deutschland Mietwagen mit Fahrer (nicht Taxis im klassischen Sinne). Das bedeutet:
- Du brauchst eine Mietwagen-Konzession nach § 49 PBefG (nicht § 47 Taxi)
- Es gilt die Rückkehrpflicht — nach jeder Fahrt zurück zum Betriebssitz, kein Warten an Standorten
- Preisbildung frei (kein Taxitarif), aber Plattform legt die Tarife fest
- Buchung nur vorab über App, kein Hereinwinken auf der Straße
Kernunterschied zum Taxi: Mietwagen sind keine ÖPNV-Ergänzung — du hast keine Beförderungspflicht, aber auch keinen geschützten Tarif. Details: Mietwagen vs. Taxi — die Unterschiede.
Voraussetzungen: Was du als Fahrer brauchst
Auch wenn du nicht selbst Inhaber wirst, sondern für einen Mietwagen-Betrieb fährst:
Wer als Unternehmer eigene Konzession beantragen möchte, braucht zusätzlich:
Die IHK-Fachkundeprüfung ist Pflicht für Selbstständige
Wenn du selbst Konzessionsinhaber werden willst (also nicht nur als Angestellter fährst), führt kein Weg an der IHK-Prüfung vorbei. Wer keinen Bock auf die Prüfung hat, kann theoretisch einen externen Betriebsleiter ablösen — aber das kostet auf Dauer mehr als die einmalige Prüfungsvorbereitung.
Die Prüfung deckt 5 Bereiche ab (Recht, BWL, Technik, Straßenverkehr, Umwelt). Im Detail: Die 5 Prüfungsbereiche der IHK-Fachkundeprüfung.
Wer in 6 Wochen prüfungsbereit sein will, ist mit unserem Online-Kurs (999 €) gut beraten — Bildungsgutschein wird vollständig anerkannt.
Schritt-für-Schritt: Vom IHK-Zeugnis zur Plattform-Aktivierung
IHK-Fachkundeprüfung bestehen (4-8 Wochen)
Anmeldung bei der IHK deines Bundeslandes, schriftliche Prüfung (120 Minuten am Stück), bei Grenzfall zusätzlich mündliche Ergänzungsprüfung. Bei Nichtbestehen: zwei Wiederholungsversuche, dann Wartezeit. Mehr zum Worst-Case: IHK-Prüfung nicht bestanden — was jetzt?
Konzession beantragen (4-12 Wochen)
Beim Stadt-Ordnungsamt oder der Genehmigungsbehörde deines Bezirks. Du beantragst eine Mietwagen-Konzession nach § 49 PBefG, nicht Taxi nach § 47 — explizit auf dem Antrag erwähnen, manche Sachbearbeiter sind nicht firm im Unterschied. Genaue Schritte: Konzession beantragen — der vollständige Guide.
Fahrzeug zulassen und ausstatten
Zulassung als Mietwagen im Fahrzeugschein. Keine Taxi-Lackierung (cremeweiß ist Taxis vorbehalten). Kein Taxameter notwendig — Plattform übernimmt Abrechnung. Mietwagen-Konzessionsnummer im Fahrzeug sichtbar mitführen.
Plattform-Aktivierung (7-14 Tage)
Registrierung als Partner-Unternehmen bei einer oder mehreren Plattformen. Erforderlich: Konzessionsurkunde + Fahrzeugschein + Versicherungsnachweis (Personenbeförderung) + P-Schein + Steuernummer/USt-ID + Gewerbeanmeldung. Bei Vollständigkeit: Aktivierung, Fahrer-App, erste Fahrten.
Die drei großen Plattformen im Vergleich
Uber Germany (Lexikon-Eintrag)
- Marktanteil: Größter Player in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt
- Provisionsmodell: Uber nennt für Deutschland einen Satz „im niedrigen zweistelligen Bereich"; unabhängige Erhebungen verorten die Provision je nach Markt zwischen 25 % und höher. Höhe und Modell ändern sich — vor Vertragsschluss aktuelle Konditionen prüfen.
- Tarifgestaltung: Dynamic Pricing (Surge), aber Plattform-kontrolliert
- Auszahlung: Wöchentlich, automatisch
- Spezialitäten: UberX (Standard), UberXL (große Wagen), Uber Comfort, Uber Premium
- Anforderung an Fahrzeug: in der Regel nicht älter als 8 Jahre, mindestens 4 Türen, einwandfreier Zustand und Erfüllung der BOKraft-Vorgaben (genaue Grenzen variieren je nach Stadt)
Bolt
- Marktanteil: Stark in Berlin, wachsend in mittelgroßen Städten
- Provision: in nahezu allen deutschen Städten 25 % der Mietwagen-Vermittlung (Ausnahme Nürnberg: 29 %)
- Tarifgestaltung: Festpreise + Surge
- Auszahlung: Wöchentlich, optional auch täglich
- Anforderung: lokale Mietwagen-/Taxi-Vorgaben müssen erfüllt sein, kein erkennbarer Schaden; Fahrzeug-Höchstalter wird über das Zulassungsjahr berechnet und ist je nach Stadt geregelt
FreeNow (Lexikon-Eintrag)
- Marktanteil: Marktführer für Taxi-Vermittlung in DE, Mietwagen-Sparte wachsend
- Besonderheit: Schwerpunkt auf Taxi-Vermittlung; in mehreren Großstädten hat FreeNow sich aus der Mietwagen-Vermittlung zurückgezogen und fordert Mindestpreise für Mietwagenfahrten
- Provision: für die Vermittlung wird eine Service-Gebühr fällig; Höhe je nach Modus und Stadt — vor Anmeldung aktuelle Konditionen erfragen
- Spezialität: Tiefe Integration mit traditionellen Taxi-Zentralen (z.B. Stuttgart, Hamburg)
Empfehlung: Multi-Apping ist Standard — viele Mietwagen-Unternehmer arbeiten mit allen drei Plattformen parallel und akzeptieren die jeweils beste Fahrt. Die Plattformen tolerieren das, manche haben aber Exklusiv-Boni.
Verdienst realistisch — was bleibt am Ende?
Eine ehrliche Rechnung für 2026 (Vollzeit, 5 Tage/Woche, deutsche Großstadt):
| Position | Betrag/Monat | |---|---| | Brutto-Umsatz (Plattformen) | 4.500 – 7.000 € | | − Provision an Plattform (~25 %) | -1.125 € bis -1.750 € | | Netto-Umsatz | 3.375 € – 5.250 € | | − Treibstoff/Strom | -400 € bis -700 € | | − Versicherung (Personenbeförderung) | -250 € bis -400 € | | − KFZ-Steuer, Wartung, Reifen | -150 € bis -250 € | | − Leasingrate (falls Wagen geleast) | -350 € bis -550 € | | − Buchhaltung / Steuerberater | -80 € bis -150 € | | Vor Steuern verbleibend | 2.145 € – 3.200 € | | − Einkommensteuer + Soli | -400 € bis -800 € | | Netto Verdienst | 1.745 € – 2.400 € |
Realistisch eingeordnet: Mit einem Wagen, Vollzeit-Engagement und gut gewählten Plattformen liegt der Netto-Verdienst zwischen 1.700 € und 2.400 € pro Monat. Mehrwagen-Betriebe skalieren das linear, brauchen aber Festangestellte und mehr Konzessionen.
Top 5 Stolpersteine, die du vermeiden solltest
1. Konzessionsverweigerung wegen finanzieller Leistungsfähigkeit
Die Behörde verlangt einen Liquiditätsnachweis. Wer nur die 2.250 € im Konto hat, aber danach pleite ist, bekommt die Konzession nicht. Plane mindestens 3-6 Monate Cashflow-Puffer ein.
2. Fehlende Rückkehrpflicht beachten
Mietwagen müssen nach jeder Fahrt zum Betriebssitz zurück — außer es liegt ein neuer Vorab-Auftrag vor. Wer wie ein Taxi "draußen wartet", riskiert Bußgelder bis 5.000 € und im schlimmsten Fall den Konzessionsentzug. Mehr dazu: Konzession-Dauer & Strafen
3. Falsche Versicherung
Standard-KFZ-Haftpflicht reicht nicht. Du brauchst Personenbeförderungs-Haftpflicht mit erweitertem Deckungsumfang. Die ist 30-50 % teurer als normale Haftpflicht, aber zwingend notwendig.
4. Steuerliche Falle: Kleinunternehmer-Regelung
Mit einem Wagen kommst du oft unter die 22.000 €-Grenze und wirst Kleinunternehmer. Aber: Mietwagen-Plattformen behandeln dich als regelbesteuert und schlagen 19 % MwSt auf. Beim Finanzamt kommt's später zu Rückforderungen. Steuerberater ab Tag 1 ist Pflicht.
5. Plattform-Sperrung wegen Kunden-Rating
Uber und Bolt haben strenge 4,6+-Rating-Anforderungen. Wer unter 4,4 fällt, fliegt raus. Bei Sperrung verlierst du nicht nur die Plattform, sondern eventuell auch andere — die Plattformen tauschen Daten aus.
Kann ich auch mit Taxi-Konzession bei Uber fahren?
Ja, aber eingeschränkt:
- FreeNow: Ja, du kannst mit Taxi-Konzession Taxi-Aufträge annehmen
- Uber/Bolt: Nein. Diese Plattformen vermitteln nur Mietwagen. Mit Taxi-Konzession dort zu fahren ist illegal.
Wer maximale Flexibilität will: Mietwagen-Konzession und sich bei allen 3 Plattformen registrieren. Wer in seiner Stadt einen geschützten Taxi-Markt nutzen will: Taxi-Konzession und FreeNow.
Fazit — Wann lohnt sich der Schritt zum Mietwagen-Unternehmer?
Der Schritt lohnt sich, wenn:
- Du selbstständig arbeiten willst (eigene Zeit, eigene Entscheidungen)
- Du 2.250 € Eigenkapital + 3 Monate Cashflow-Puffer hast
- Du bereit bist, 5-6 Wochen in die IHK-Vorbereitung zu investieren
- Du in einer Großstadt (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Düsseldorf) lebst — sonst sind die Plattform-Aufträge zu dünn
Erster Schritt: Die IHK-Fachkunde. Bei Online-Kurs für 999 € (Bildungsgutschein möglich) bist du in 6 Wochen prüfungsreif. Bei Fragen schreibe uns über das Anfrageformular oder per WhatsApp.
Häufige Fragen
3 Antworten auf die meistgestellten Fragen rund um dieses Thema.
Brauche ich für Uber, Bolt oder FreeNow die IHK-Fachkunde?
Als selbstständiger Unternehmer ja: Du brauchst die fachliche Eignung über die IHK-Fachkundeprüfung sowie eine Mietwagenkonzession. Als rein angestellter Fahrer reicht der Personenbeförderungsschein (P-Schein).
Welche Konzession brauche ich für Plattformfahrten?
Für Fahrten über Uber, Bolt und FreeNow als Unternehmer ist in der Regel die Mietwagenkonzession erforderlich. Sie ist auch in Städten mit Taxi-Konzessionsstopp meist weiterhin erhältlich.
Kann ich mit einer Taxikonzession bei Uber fahren?
Ja. Taxis dürfen über Plattformen vermittelte Fahrten annehmen. Wer eine Taxikonzession besitzt, ist dabei nicht an die Rückkehrpflicht des Mietwagens gebunden — das kann ein praktischer Vorteil sein.
Nächster Schritt
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